Sonderpädagogischer Förderbedarf und Inklusion:

Sonderpädagogischer Förderbedarf kann unter 2 Gesichtspunkten wichtig sein:
  • Aktuell für Personen, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf bei ihrem Kind selbst sehen, es aber integrativ in einer Grundschule (und später weiterführenden Regelschule) beschulen lassen wollen.
  • Umgekehrt für Personen, die keinen sonderpädagogischen Förderbedarf für ihr Kind sehen, während die Schule dies feststellen möchte und das Kind ggf. sogar auf eine Sonderschule soll.
Je nach Perspektive gibt es natürlich verschiedene praktische Probleme, auf die ich nachfolgend eingehe:

Der Wunsch auf integrative Beschulung des Kindes (Inklusion):

Das Thema sonderpädagogischer Förderbedarf ist aktuell vor allem für diejenigen interessant, die davon ausgehen, daß sonderpädagogischer Förderbedarf für ihr Kind vorliegt und beabsichtigen, das Kind in einer normalen Schule zu beschulen:

Insofern ist voranzustellen, daß sich an der Grundsituation bisher nur wenig geändert hat. Bei einem Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs werden seit jeher 3 Feststellungen getroffen:

  • Liegt sonderpädagogischer Förderbedarf vor?
  • Was ist der Förderschwerpunkt (wenn es mehrfachen Förderbedarf gibt)?
  • Und was ist der Förderort (= Sonderschule oder integrative Beschulung, d.h. Inklusion)?

Schon bevor die UN-Behindertenkonvention ratifiziert wurde, war es also so, daß Förderort nicht zwangsläufig eine Sonderschule war, sondern die Kinder integrativ in einer ganz normalen Schule beschult werden konnten.

Der aktuelle Aspekt besteht nur darin, ob nach wie vor das Schulamt die Entscheidung trifft, wo das Kind zur Schule geht oder die Eltern es sich künftig aussuchen dürfen, wo das Kind unterrichtet wird.

Letzteres hängt derzeit weitgehend fest, was mehrere Ursachen hat:

  • Zunächst weiß jeder, der schon einmal einen Antrag auf Unterstützung beim Jugendamt oder Sozialamt gestellt hat, wie es in diesem Land aussieht, wenn man Unterstützung für etwas möchte, was eigentlich sinnvoll und selbstverständlich erscheint: Die Kassen sind leer sind und man kann mitunter froh sein, wenn man zumindest einen Teil der beantragten Unterstützung erhält. Insofern kann sich auch jeder vorstellen, daß ein Anspruchs auf inklusive Beschulung eigentlich in keinem Haushaltsplan vorgesehen ist und ein System jahrzehntelanger Gängelung durch Sozialbehörden mit einem Schlag außer Kraft setzen würde - was politisch nicht unbedingt wahrscheinlich erscheint.
  • Hinzukommt, daß Schulen bereits mit einfachsten Fällen von Andersartigkeit (sprich Legasthenie/ Dyskalkulie oder ADHS) sich seit Jahren völlig überfordert zeigen: Wenn man aber nicht einmal in der Lage oder Willens ist, einfache Fälle zu bewältigen, so fragt man sich, wie man Schulen "überzeugen" möchte, sich um wirklich schwierige Fälle zu kümmern.
Was Inklusion anbelangt, ist dies nach alledem derzeit vor allem ein politischer Modebegriff, der in der schulischen Praxis nur zurückhaltend Eingang findet und man durchaus bezweifeln darf, ob die Politik wirklich die Kraft, den Willen und vor allem auch das Geld hat, dies wirklich - allgemein - so umzusetzen, wie dies in Sonntagsreden und Wahlversprechen mitunter erscheint...

Insofern sollte jeder, der eine inklusive Beschulung des Kindes im Auge hat, sich auch künftig frühzeitig und individuell bemühen, denn eine allgemeingültige Lösung ist nicht in Sicht. Treten hier Schwierigkeiten auf, dann kontaktieren Sie mich möglichst frühzeitig.

Sonderpädagogischer Förderbedarf gegen den Willen der Eltern

Der umgekehrte Fall besteht darin, daß die Schule auf sonderpädagogischen Förderbedarf dringt, die Eltern dies aber nicht wollen und sich dagegen wehren.

Dies spielt vor allem in 2 Konstellationen eine Rolle:
Gefährlich sind in diesem Zusammenhang vor allem 2 aktuelle Aspekte:

Man sollte immer vorsichtig sein, was sonderpädagogische Förderung im Kindergarten anbelangt: Oftmals schwappt dies dann in den schulischen Bereich über und wenn Schulen von einer Förderung im Kindergarten erfahren, wollen sie dies naturgemäß "auch haben"...

Insofern sollten Eltern vorsichtig sein, denn während man im Kindergarten gerne noch die Förderung mitnimmt, beinhaltet der Aspekt sonderpädagogische Förderung in der Schule ein erhebliches Stigma bis zur Gefahr in eine Sonderschule abgeschoben zu werden.

Bestand folglich bereits im Kindergarten sonderpädagogische Förderung sollte man bei der Einschulung immer vorsichtig sein. Gerne unterstütze ich Sie präventiv im Rahmen einer telefonischen Erstberatung.

Im übrigen gibt es einen weiteren, keineswegs ungefährlichen Aspekt: Aufgrund der obig geschiderten "Hängepartie", was Inklusion anbelangt, sind inzwischen viele Schulen zu einem Gegenangriff übergegangen: Wenn schon ständig von Inklusion geredet wird, dann wird dies zusehends auch für "eigene" problematische Schüler gefordert.

Hierbei handelt es sich vielfach um Schüler mit einer starken Teilleistungsstörung (Legasthenie, Dyskalkulie usw) und mitunter auch verhaltensauffällige Schüler (ADHS) - also solche Schüler, die eigentlich gar keiner sonderpädagogischen Förderung bedürfen.

Die aktuelle Situation ist allerdings nicht ungefährlich, weil das für die Politik ja den positiven Nebeneffekt hat, daß auf diese Weise die Inklusionsstatistik verbessert wird, während die problematischeren Fälle weiterhin in der Warteschleife verbleiben.

Kurzum: Wer Kinder mit einer starken Teilleistungsstörung oder verhaltensauffällige Kinder hat, sollte aktuell äußerst wachsam sein, nicht daß er plötzlich in den Bereich sonderpädagogischen Förderbedarfs gerät. Haben Sie hierzu Anhaltspunkte, daß die Schule die Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs bezweckt, dann kontaktieren Sie mich bitte möglichst frühzeitig, da man solche Überlegungen möglichst im Keim ersticken sollte - sonst kann dies außer Kontrolle geraten...